Apr 222014
 

Die Anzahl der Debütalben im Metalbereich, die mich wirklich begeistern können, liegt schon seit einigen Jahren zwischen 0 und 1 pro Jahr. Waren es 2012 Mortillery aus Kanada, so haben mich im letzten Jahr Avatarium aus Schweden mit ihrem gleichnamigen Debüt äußerst positiv überrascht. Dass mir diese Platte so gut gefällt, mag zum einen daran liegen, dass sämtliche Songs von Bassist Leif Edling geschrieben wurden, der mir mit seiner ersten Band Candlemass auch heute noch gefällt (wobei ich mich allerdings für seine sonstigen Projekte nie sonderlich interessiert habe), und zum anderen daran, dass Avatarium mit der mir bis dahin völlig unbekannten Jennie-Ann Smith über eine Sängerin der Extraklasse verfügen. Diese hat eine sowohl sehr kraft- als auch gefühlvolle Stimme, zu der mir (vielleicht auch aufgrund mangelnder Kenntnis) keine Vergleiche einfallen, und spielt daneben noch Akustikgitarre, wenngleich dies aus den Angaben im CD-Booklet nicht hervorgeht.

Die 7 Songs auf dem Debüt kann man überwiegend schon als Doom Metal bezeichnen, was die Band allerdings keinesfalls zu einer Candlemass-Kopie macht. Auffallend sind die insbesondere beim Song “Moonhorse” immer wieder eingestreuten Akustikgitarrenpassagen, wobei für mich hier allerdings vor allem das E-Gitarrensolo ab 3:20 mit dem daran anschließenden Gesangsteil einen der absoluten Höhepunkte des Albums darstellen. Candlemass-untypisch sind auch die immer wieder zum Einsatz kommenden Keyboards (OK, auf “Psalms For The Dead” gab’s die ebenfalls), die erfreulicherweise oft eher nach Hammond-Orgel klingen, und die schöne Ballade “Lady In The Lamp”, bei der u.a. auch wieder das Gitarrensolo besonders hervorzuheben ist.

Vor diesem Hintergrund und angesichts des Umstandes, dass ich diejenigen Metalbands, die mich live interessieren, inzwischen wohl an weniger als zwei Händen abzählen kann, habe ich mir im März kurzentschlossen eine Karte für den letzten Tag des diesjährigen Roadburn-Festivals, an dem Avatarium dort auftreten sollten, gekauft. Zum Glück habe ich nicht noch länger gewartet, denn kurz darauf waren die Karten ausverkauft.

Die 120 Kilometer nach Tilburg (fast durchgehend Autobahn) waren problemlos zu fahren und direkt neben dem 013, wo das Festival stattfand, gibt‘s auch ein großes Parkhaus. Insgesamt sind am letzten Tag des Festivals 14 Bands teils zeitgleich auf drei verschiedenen Bühnen, von denen sich eine in einem anderen Gebäude in der Nähe befand, aufgetreten. Bei fünf weiteren habe ich auch mal reingehört, aber es war nichts dabei, was mich zu einem Plattenkauf animiert hätte, weshalb ich mir jetzt auch weitere Ausführungen dazu ersparen werde.

Avatarium haben pünktlich um halb 6 auf der Hauptbühne begonnen. Um ein paar halbwegs ordentliche Fotos machen zu können, hatte ich mir schon frühzeitig einen Platz ziemlich mittig an der Bühnenabsperrung gesichert. Etwas erschwert wurde das Ganze dadurch, dass unmittelbar am Bühnenrand der ohnehin schon relativ hohen Bühne noch fast durchgehend Monitorboxen aufgestellt wurden. Auch hätte die Bühnenbeleuchtung insgesamt ruhig etwas heller ausfallen können, aber in erster Linie kommt es ja auf die Musik an, und die hat mich voll und ganz überzeugt.

Ausgerechnet Bassist Leif Edling war an diesem Tag, wie ich allerdings schon vorher erfahren hatte, aus gesundheitlichen Gründen verhindert, aber sein Ersatzmann hat, soweit ich das beurteilen kann, seine Sache sehr ordentlich gemacht.

Es wurden alle 7 Songs vom Debütalbum gespielt, womit sich die Spielzeit von insgesamt einer Stunde aufgrund der Überlänge der meisten Songs auch gut füllen ließ.

Sängerin Jennie-Ann machte auf der Bühne nicht nur allgemein einen sehr sympathischen Eindruck und schien ihren Spaß zu haben, sondern konnte live mit ihrer Stimme ebenso überzeugen wie schon auf dem Album, was ja leider keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist. Die Akustikgitarrenpassagen hat sie ebenfalls übernommen.

Auch die anderen Musiker, insbesondere Gitarrist Marcus Jidell, haben mir gefallen. Von mir aus hätte das Konzert gerne noch länger dauern dürfen. Wenn man bedenkt, dass dies, wenn ich das richtig sehe, erst der zweite Liveauftritt von Avatarium war, war das schon eine beachtliche Leistung, wobei die Musiker allerdings auch schon (fast?) alle in anderen Bands Liveerfahrung gesammelt haben.

Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen, auch noch zur Signing-Session zu gehen, die eine halbe Stunde nach dem Auftritt angesetzt war, wobei sich der Andrang allerdings in einem recht überschaubaren Rahmen hielt. Immerhin gab es hier die Möglichkeit, ein paar Worte, vor allem mit dem Gitarristen und der Sängerin zu wechseln. Dieser habe ich dann noch gesagt, dass ich Avatarium ja gerne mal auf dem Metal Female Voices Fest sehen würde. Zufälligerweise war auch einer der Organisatoren dieses Festivals zugegen, der von Avatarium ebenfalls sehr angetan war, wie ich erfuhr, als ich ihn ansprach. Er hat Jennie-Ann dann noch etwas mehr über das MFVF erzählt, und sie schien durchaus an einem Auftritt dort interessiert zu sein. Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass es ihm gelingt, den- bzw. diejenigen, die letztlich darüber entscheiden, welche Bands gebucht werden, von den Qualitäten Avatariums zu überzeugen. Ich würde mich jedenfalls freuen, diese Band im Oktober noch einmal live erleben zu können, wobei ich natürlich auch gegen ein Konzert in Deutschland nichts einzuwenden hätte. Allerdings gibt es diesbezüglich, wie mir der Gitarrist sagte, derzeit noch keine konkreten Pläne.

Ich hoffe jedenfalls, dass auf das Debütalbum von Avatarium noch weitere Alben folgen werden, die mir ebenso viel Spaß machen wie dieses, und dass der erste Besuch eines Konzertes dieser Band nicht auch der letzte gewesen sein wird. (Außerdem fehlt mir ja noch das Autogramm von Leif Edling auf dem Digipak-Cover und dem CD-Booklet, und ein paar meiner Fotos würde ich mir auch ganz gerne noch signieren lassen.)

– Burkhard – 04/14
Fotos: Burkhard