"Man sagt, die äußere und die innere Welt treffen in Melodien aufeinander. Es wäre treffender, zu sagen, sie "durchdringen einander"; ein "Treffen" der äußeren und inneren Welt ereignet sich bei jeder unserer Sinneserfahrungen. Das Treffen gestaltet sich jedoch anders, wenn es zwischen physischen Gegenständen und unseren Händen oder Augen, oder zwischen Tönen und unseren Ohren stattfindet. Auge oder Hand hält den mir begegnenden Gegenstand in der Entfernung, macht mir den Zwischenraum bewußt und verstärkt so die trennende Barriere. Die Töne dringen in mich ein, fließen über die Barriere und machen mir nicht Entfernung sondern Kommunikation, wenn nicht gar Teilnahme bewußt. Unser heutiges Denkschema von der "Innen- und Außenwelt" stammt von einer einzigen Art der Begegnung her - der durch Auge oder Hand herbeigeführten. William Jones sprach die Warnung aus - und er hat dabei nicht im geringsten an die Musik gedacht - ""Innen" und "Außen" sind keine Koeffizienten, mit denen Erfahrungen seit ihren Ursprüngen abgestempelt daherkommen. Vielmehr handelt es sich um die Ergebnisse einer späteren Klassifikation, die von uns selbst zu bestimmten Zwecken ausgeführt wird." Diese Zwecke gehören zum sogenannten praktischen Leben, unserer aktiven und passiven Begegnung mit der physischen Welt. Nur innerhalb dieser Begegnung stehen sich "Innen" und "Außen", Ich und die Welt wie zwei einander ausschließende Bereiche auf verschiedenen Seiten eines unüberwindbaren Trennungsstriches gegenüber. Wenn wir jedoch auf etwas nicht physisches, etwas rein dynamisches stoßen - wie es bei den Tönen der Musik der Fall ist -, wird diese Qualität des "dort draußen" ersetzt von einem "Von-dort-draußen-zu-mir-und-durch-mich". Anstatt zwei Bereiche voneinander abzusetzen und als einander ausschließend zu präsentieren, bringt diese Begegnung sie dazu, einander zu durchdringen, aneinander teilzuhaben... Es ist kein purer Unsinn, die musikalische Betrachtungsweise des Universums als eine Brücke zwischen der wissenschaftlichen und der religiösen Betrachtung anzusehen."  

  - Aus VICTOR ZUKERKANDL, "SOUND AND SYMBOL: MUSIC AND THE EXTERNAL WORLD"; 1956 -