{"id":1259,"date":"2026-03-18T19:12:36","date_gmt":"2026-03-18T18:12:36","guid":{"rendered":"https:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/?p=1259"},"modified":"2026-03-19T17:34:14","modified_gmt":"2026-03-19T16:34:14","slug":"symphony-no-10-in-e-minor-op-93-von-dmitri-schostakovitsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/symphony-no-10-in-e-minor-op-93-von-dmitri-schostakovitsch\/","title":{"rendered":"Symphony No. 10 in E minor, Op. 93, von Dmitri Schostakovitsch"},"content":{"rendered":"\n<p>Die deutsche Wikipedia offeriert eine fantastische Kurzbeschreibung der Symphonie.<br>Dieses kurze Essay offenbart bereits mehr, als man an programmatischem und biographischem Hintergrund, wie auch technisch-musikalischem Verst\u00e4ndnis mitbringen muss.<br>Die Musik an sich vermittelt dem H\u00f6renden alles, was er oder sie wissen muss. Sie kann und muss genauso gut f\u00fcr sich selbst stehen. Zentral bleibt die eigene H\u00f6rerfahrung, Verarbeitung und Interpretation. Das, was die Symphonie, jeder Satz, jeder Akkord, jede einzelne Note im Menschen ausl\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:italic;font-weight:400\"><strong>Entstehung<\/strong><br>Es war Schostakowitschs erste sinfonische Arbeit seit 1945 und seit seiner Dem\u00fctigung infolge der \u201eantiformalistischen\u201c S\u00e4uberungen von 1948, bei der er seiner Lehr\u00e4mter in Moskau und Leningrad enthoben wurde. In der Zeit zwischen 1945 und dem Tode Josef Stalins am 5. M\u00e4rz 1953 repr\u00e4sentierte er die Sowjetunion in einer Reihe sogenannter \u201einternationaler Friedenskongresse\u201c. Bis zum M\u00e4rz 1953 hatte sich eine erhebliche Anzahl ernsthafter Werke in den Schubladen Schostakowitschs gestapelt, die entweder auf ihre Urauff\u00fchrung oder ihre Rehabilitierung harrten. Solomon Wolkow schrieb in seinem Buch \u201eZeugenaussage\u201c, die 10. Sinfonie handle von \u201eStalin und den Stalin-Jahren\u201c. Diese Theorie wird jedoch bis heute heftig diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:italic;font-weight:400\"><strong>Erster Satz<\/strong><br>Im ersten Satz steht das pers\u00f6nliche Erleiden im Mittelpunkt. Dies ist der bis dahin komplexeste und am sorgf\u00e4ltigsten durchkomponierte aller sinfonischen Kopfs\u00e4tze Schostakowitschs. Das Hauptthema der pers\u00f6nlichen Identit\u00e4t wird im dritten und vierten Satz wieder aufgenommen. Der erste Satz beginnt mit einem Cello-Kontrabass-Unisono in E-Moll. Die musikalischen Formeln, die Schostakowitsch nutzt, zeigen alle einen \u00e4hnlichen, tragischen Eindruck, wobei das Tempo Moderato die negative Atmosph\u00e4re angemessen zur Wirkung bringt. Bis auf den Mittelteil, wo sich die Musik zu l\u00e4rmenden Akkorden steigert, ist dieser Satz eher ruhig gehalten.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:italic;font-weight:400\">Zweiter Satz<br>Der zweite Satz ist ein kurzes und brutales Scherzo, nach Wolkows Worten handelt es sich hierbei \u201egrob umrissen um ein musikalisches Portr\u00e4t Stalins\u201c. Weiterhin l\u00e4sst sich eine direkte Verwandtheit des Eingangsthemas mit dem Beginn der Oper &#8222;Boris Godunow&#8220; von Modest Mussorgski, die Schostakowitsch selber neu instrumentierte, nachweisen. Der Satz beginnt mit heftigen Akkordschl\u00e4gen, worauf Schostakowitsch, so Kurt Sanderling, das Stalinthema von Ziffer 71, Takt 7 bis Ziffer 73, Takt 1 zun\u00e4chst als Holzbl\u00e4serquartett, dann als Quintett setzt. Dieses Thema enth\u00e4lt Marschpunktierungen und markante Rhythmen mit Sechzehntelnoten, die anschlie\u00dfend als Trommelsolo (Kb. 0:22) wiederholt werden.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:italic;font-weight:400\"><strong>Dritter Satz<\/strong><br>Den dritten Satz beginnt Schostakowitsch mit einer Verformung seiner Initialen, n\u00e4mlich C D Es H, die er analog zum BACHschen Kreuzsymbol mit deutschen Notenbezeichnungen notiert. In Ziffer 104, Takt 5 zeigen sich seine Originalinitialen D Es C H. Aus harmonischen Gr\u00fcnden w\u00e4hlte er C-Moll, da so H als Leitton zu C dient. Darunter erscheint wieder das Stalinthema, jedoch als Imitation, wobei Schostakowitsch seine Initialen als wohlgeordnete Viertelnoten der Fl\u00f6te als Staccato-Pfiffe dar\u00fcbersetzt. Er wird haupts\u00e4chlich aus zwei Motiven gebildet: das DSCH-Motiv repr\u00e4sentiert den Komponisten selbst (die Noten D-Es-C-H stehen f\u00fcr die Initialen Dmitri Schostakowitsch), sowie das Elmira-Motiv (E-La-MI-Re-A in einer deutsch-italienischen Kombination von Notennamen). Dieses Motiv wird zw\u00f6lf Mal auf dem Horn gespielt; mit ihm huldigt Schostakowitsch der aserbaidschanischen Kompositionssch\u00fclerin Elmira N\u0259zirova, seiner damaligen Muse, Vertrauten und Objekt seiner unerwiderten Zuneigung. Das DSCH- und das Elmira-Motiv \u00e4ndern sich im Laufe des dritten Satzes und vereinen sich schlie\u00dflich im Zeitablauf. Das Initialthema ist am Ende des Satzes ab Ziffer 142 sechsmal zu h\u00f6ren. Die letzte Erscheinung seiner Initialen erscheint als Augmentation.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:italic;font-weight:400\"><strong>Vierter Satz<\/strong><br>Der vierte und letzte Satz dieser Symphonie unterteilt sich in ein Andante und ein Allegro. Das Andante beginnt in Ziffer 144, Takt 8 mit einem Thema, das zuerst von der Oboe gespielt wird. In Takt 18 wendet sich das Thema vom idyllischen Charakter ab und zeigt ein aggressives Klangbild, was Schostakowitsch durch Chromatik und einen dissonanten H-C-F-Akkord der Streicher erzielt. Diese Wendung vollzieht das Thema mehrmals, wobei jedes Mal ein befremdlicher Eindruck entsteht.<br>Im zweiten Teil des Satzes ab Ziffer 153 (Allegro) wird die pessimistische Stimmung endlich durchbrochen, und es erklingt eine fr\u00f6hliche Tanzmusik. Die D\u00fcsternis zu Beginn des letzten Satzes wird scheinbar durch eine unbek\u00fcmmerte Klarinette und sorglose Geigen vertrieben, welche aber wieder im Mittelteil des Satzes vom brutalen, immer st\u00e4rker werdenden Thema des Scherzos begleitet werden. Dieses gewinnt dann kurz die Oberhand, bevor es mit einem entschiedenen DSCH in dreifachem Forte vom gesamten Orchester niedergeschmettert wird (Ziffer 184). Nach einer kurzen Passage der Besinnung, in der eher unsichere DSCH-Kl\u00e4nge in die verhaltene Stimmung des Andante-Teils des Finales eingebettet sind, setzt sich die positiv t\u00e4nzerische Stimmung (allm\u00e4hlich beginnend mit dem Fagott (Ziffer 191) und dann ausgebaut wieder durch die Klarinette (Ziffer 194)) schlie\u00dflich durch und gipfelt \u2013 eingeleitet von den H\u00f6rnern (ab Ziffer 202) \u2013 in einem dreifachen DSCH, triumphal als Unisono fast des gesamten Orchesters als halbe Noten im forte fortissimo (ab Ziffer 203). In den allerletzten Takten (ab Ziffer 206) h\u00e4mmert die Pauke mehrfach das DSCH wie einen Stempel in die Partitur.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:italic;font-weight:400\">Quelle:<br><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/10._Sinfonie_(Schostakowitsch)\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/10._Sinfonie_(Schostakowitsch)\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/10._Sinfonie_(Schostakowitsch)<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Elizabeth Wilson f\u00fcgt in der englischsprachigen Wikipedia folgendes hinzu: <em>\u201eDie Zehnte Sinfonie wird oft als Kommentar des Komponisten zur j\u00fcngsten Stalin-\u00c4ra interpretiert. Doch wie so oft in Schostakowitschs Kunst steht die Darstellung \u00e4u\u00dferer Ereignisse im Gegensatz zur privaten Welt seiner innersten Gef\u00fchle.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nun noch ein paar eigene Gedanken zu Shostakovichs Zehnter Symphonie.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was Elizabeth Wilson oben sagt, trifft auch meine Erfahrung als H\u00f6rer. Es vermischen sich \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde, Vorwissen und Erinnerungen, mit den rohen Emotionen und der unmittelbaren Verschmelzung mit der Klanglandschaft.<br>Mein Zugang zum Werk lief zuvorderst \u00fcber den kurzen und heftigen, viermin\u00fctigen zweiten Satz. Selten, wenn \u00fcberhaupt, hatte ich so etwas Aufw\u00fchlendes geh\u00f6rt. So voller Schmerz und Wut. Sublimiert und ausgedr\u00fcckt in einer fantastischen Komposition. Irgendwann im Jahre 2025 gab es eine Reihe von Tagen, an denen ich mich geradezu obsessiv mit diesem St\u00fcck auseinandersetzte. Mit den unterschiedlichsten Interpretationen von Dirigenten und Orchestern. All die aufkeimenden Bilder und gewaltigen Gef\u00fchle verarbeitend und integrierend. Ein Prozess, der akut \u00fcber Wochen andauerte und noch \u00fcber Monate hinweg in mir g\u00e4rte.<br>Es bleibt unerheblich, ob es nun tats\u00e4chlich ein intendiertes Portr\u00e4t Stalins und seiner menschenverachtenden Form des Kommunismus ist oder nicht. Es w\u00e4re zumindest erstaunlich, w\u00fcrde der seinerzeitige gesellschaftliche Kontext keine Rolle gespielt haben. Denn die Musik vermittelt ganz klar den Versuch der Bewahrung der W\u00fcrde des Menschen, den Kampf des Individuums um seine Existenz in einer brutalen kollektivistischen Umgebung, im Angesicht eines ideologische Vereinheitlichung anstrebenden Systems. In diesem barbarischen Akt der Unterwerfung muss der oder die Einzelne eine tiefe innere Courage sich erhalten, die so best\u00e4ndig einer Bedrohung ausgesetzt ist, wie jeder vereinzelt dastehende Grashalm dem \u00fcber das Feld gehenden, kalten und mitleidslosen Schnitt der Sense.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Satz beginnt mit einem d\u00fcsteren Streicher-Stakkato. Das geknechtete Volk. Der einzelne Arbeiter. Mechanisch seine vom Politb\u00fcro vorgegebenen Arbeitsanweisungen abarbeitend. Am Schreibtisch ermittelte, errechnete, erdachte Quoten erf\u00fcllend.<br>Die Obrigkeit wird zuvorderst symbolisiert durch manische Blasinstrumente. Eingangs schwirren die die Oboen und Fl\u00f6ten heran, als unmittelbare Einpeitscher und Taktgeber. Ein Schwarm an ausf\u00fchrenden Organen, eine Horde an Vorgesetzten, die den k\u00fcnstlich erzeugten Druck nach unten in der Hierarchie weitergeben. Dann kommen die Posaunen und Trompeten hinzu. Das militaristische Schlagzeug und die Pauken. Volumin\u00f6s \u00fcber allem thronend. Als die Rahmen gebende und Gehorsam einfordernde Staatsgewalt, das drohende Milit\u00e4r, die omnipr\u00e4sente Geheimpolizei, der eine die Realit\u00e4t nach ihrem Bild verformende Ideologie predigende Oberste Befehlshaber.<br>Die Menschen versuchen mit dem System Schritt zu halten. Versuchen, ihr Pensum zu leisten oder gar zu erh\u00f6hen.<br>Die Furcht regiert.<br>W\u00e4hrend die Produktionsb\u00e4nder laufen und die Maschinen niemals stillzustehen scheinen.<br>W\u00e4hrend sie kaum einen Moment zum Atemholen lassen.<br>Der fordernde Druck nimmt immer mehr zu, die Intensit\u00e4t entl\u00e4dt sich bis Minute 1:16 schlie\u00dflich in einem ersten Crescendo.<br>Verzweiflung liegt in der Luft.<br>Dmitri Shostakovich und andere K\u00fcnstler waren dem Zwang ebenso wie alle anderen ausgesetzt. St\u00e4ndig bespitzelt, bevormundet, geg\u00e4ngelt, bedroht. Das existenzielle Ringen wird von den Streichinstrumenten nach Minute 1:16 herzzerrei\u00dfend intoniert. Es liegt sogar so etwas wie Aufbegehren in ihrem Tonfall. Der gl\u00fchende Wunsch nach Befreiung und Erl\u00f6sung bricht schlie\u00dflich aus den starren Pfaden aus &#8211; und die Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung endet in einer revolution\u00e4ren Auseinandersetzung nach der zweiten Minutenmarke. Die Musik nimmt eine Spannung und Brutalit\u00e4t an, die den H\u00f6renden innerlich beinahe zerrei\u00dfen m\u00f6chte. Der inferalische H\u00f6hepunkt setzt die Welt in Flammen und kulminiert in einem vorl\u00e4ufigen Zusammenbruch.<br>Aus welchem kommend, bei Minute 3:14, die Menschlichkeit kurz vor der Ausl\u00f6schung sich wiederfindet und man froh sein kann, dem Chaos entronnen und mit dem nackten Leben davongekommen zu sein. Die ergreifenden, am Abgrund dahin strauchelnden Streicher bringen dies vortrefflich zum Ausdruck.<br>Der Wille ist zwar ged\u00e4mpft, wie sich zeigt jedoch noch nicht v\u00f6llig gebrochen.<br>Die Machthaber machen zum Finale also ein letztes Mal mobil und lassen ihren monstr\u00f6sen Hammer einmal mehr hernieder sausen, alles endg\u00fcltig unter sich begrabend, was auch nur den Anschein gibt, dass es sich noch eigenst\u00e4ndig bewegen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier ist die Version auf die ich mich beziehe. In der verkn\u00fcpften Playlist finden sich auch die weiteren Einspielungen von Haitink aller Symphonien.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Shostakovich: Symphony No. 10 in E Minor, Op. 93: II. Allegro\" width=\"840\" height=\"630\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/rWqTS64701g?list=OLAK5uy_kIkWvgrBTC-9DDv4NwJMwOox5xLWdQiLA\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach wie vor bildet f\u00fcr mich dieser zweite Satz das Epizentrum, das Herzst\u00fcck der Symphonie.<br>Es ist faszinierend zu entdecken, wie einzelne Themen einen Bezug zu dem ersten und dem letzten Satz herstellen. Wie sie in transformierter Form wieder auftauchen. In der Mitte des melancholischen ersten Satzes etwa schwelen sie dramatisch, flammen kurz auf, k\u00fcndigen sie auszubrechen drohende Konflikte an, werfen den Schatten tragischer zuk\u00fcnftiger Verwerfungen \u00fcber die zur Verinnerlichung strebende Szenerie.<\/p>\n\n\n\n<p>In Satz Nummer drei, dem Allegretto, finden wir uns in einem zerbrechlichen Equilibrium wieder.<br>Die sich zuvor antagonistisch gegen\u00fcber stehenden Strebungen haben sich miteinander arrangiert. Es herrscht ein br\u00fcchiger Frieden. Zuweilen wird, man glaubt es kaum, sogar gefeiert, gesungen und getanzt. \u00dcbersch\u00e4umend, fast schon hungrig, die erlittene Tragik versuchend mit etwas naiver Freude zu \u00fcberdecken. Zu folkloristisch anmutenden Melodien schunkeln wir uns ins selige Vergessen. Doch die introspektive Schwermut kommt immer wieder l\u00e4hmend und reflektierend zum Tragen. K\u00fcnstlerisch brillant, wie Shostakovich zwischen den unterschiedlichen Stimmungen hin und her zu changieren wei\u00df. Ebenso brillant die finale desillusorische Eskalation um Minute 9:00, wenn die so anmutig unbek\u00fcmmert sich gerierende Beschwingtheit sich wandelt und wiederum in eine dramatische Auseinandersetzung m\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>Satz Nummer vier beginnt mit einem Andante. Dessen jammervolle, introvertierte und wundersch\u00f6ne Harmonien bestimmt werden durch anmutige Solos von Fl\u00f6te und Oboe. Eine klagende Reminiszenz an verloren gegangene tradierte Lebensweisen und tiefe soziale Bindungen. Damit schl\u00e4gt die Symphonie eine musikalische Br\u00fccke zum Ende des ersten Satzes, wo eine vereinsamende Fl\u00f6te, wie ein letztes kleines Licht schimmernd, sich in der endlosen Weite verliert und anschlie\u00dfend von der donnernden, tosenden Finsternis verschlungen wird, sobald der Kataklysmus des zweiten Satzes das Dasein brutal und unwiederbringlich ver\u00e4ndert.<br>Um Minute 5:40 beginnt die Freude aufs Neue zu erbl\u00fchen und sich ihren Weg aus der Innerlichkeit des Individuums heraus zu bahnen. Hinaus zu dr\u00e4ngen in die Welt. Deren Weite der eigenen begegnen und miteinander verschmelzen zu lassen. Wundervoll, welche Entwicklung die Symphonie von hier an bis zum Finale nimmt. Wie problembehaftete Themen aus dem zweiten Satz fragmentarisch wieder aufgegriffen werden, wie sie eingebunden und aufgel\u00f6st werden, wie in der Verkn\u00fcpfung der Elemente die Konflikte sich aufl\u00f6sen und in einer gemeinsamen neuen Form verwandelt hinstreben zu einem euphorischen H\u00f6hepunkt, mit welchem die Musik schlie\u00dflich endet.<br>Egal, wie widrig die Umst\u00e4nde auch beschaffen sein m\u00f6gen, auch wenn alle Hoffnung erloschen zu sein scheint &#8211; das Leben regt sich, erhebt sich, bricht sich Bahn.<br>Es findet seinen Weg.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>CODA<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/rateyourmusic.com\/release\/album\/london-philharmonic-orchestra-bernard-haitink\/symphony-no-10-in-e-minor\">https:\/\/rateyourmusic.com\/release\/album\/london-philharmonic-orchestra-bernard-haitink\/symphony-no-10-in-e-minor<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt so richtig viele gute Aufnahmen der Zehnten.<br>Die BBC hat gute Standards und gelegentlich herausragende Ver\u00f6ffentlichungen. Diese hier ist aus deren Archiv, abermals London Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Bernard Haitink. Mit einem tollen Live-Sound, perfekt abgemischt f\u00fcr&#8217;s Eintauchen \u00fcber einen Kopfh\u00f6rer.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedesmal, wenn ich das Werk in seiner G\u00e4nze h\u00f6re, offenbart sich mehr von seiner inneren Geschlossenheit.<br>Unerheblich, ob man es unter programmatischen Gesichtspunkten betrachtet oder nicht. Selbst wenn einzelne Themen mal nicht vollkommen und klar ersichtlich \u00fcbereinstimmen sollten, was sie auch nicht m\u00fcssen, zeigt sich doch der jeweils gemeinsame Tenor, durch alle S\u00e4tze hindurch.<br>H\u00e4tte jetzt sehr gro\u00dfes Interesse daran, von einem Experten wie Dariusz Szymanski oder Dave Hurwitz eine erkl\u00e4rende Begleitung und musiktheoretische Erl\u00e4uterung zu erhalten. Die technische, kulturelle und historische Einordnung fehlt mir, nach wie vor, noch ein bi\u00dfchen. Vor allem ein Aufzeigen aller Zusammenh\u00e4nge in den Harmonien, Melodien und Akkorden w\u00e4re h\u00f6chst aufschlu\u00dfreich. Da g\u00e4be es sicher so manche subtile Verbindungen, welche einem selbst nur schwer auffallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Yep. Here you go.<br>Zwei Verlinkungen f\u00fcr die totalen Nerds unter uns, die sich noch tiefer in den Maschinenraum der Symphonie vorwagen wollen\u2026<br><a href=\"https:\/\/www.schostakowitsch-sinfonien-visual.ch\/sinfonien\/nr10\">https:\/\/www.schostakowitsch-sinfonien-visual.ch\/sinfonien\/nr10<\/a><br>&amp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Repertoire: The BEST and Worst Shostakovich Symphony No. 10\" width=\"840\" height=\"473\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/UfWAeosH8g0?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><br>Gut, was Haitink angeht, sind wir eindeutig unterschiedlicher Meinung. Was nat\u00fcrlich vollkommen okay ist. Allen weiteren Aussagen kann ich vollauf beipflichten. Dave Hurwitz referiert eine gute Stunde zu SHOSTAKOVICHs Zehnter Symphonie. Das macht er, wie immer, ungemein unterhaltsam, aufschlu\u00dfreich, lehrreich. Wer dieses Werk ebenfalls \u00fcber alle Ma\u00dfen liebt, wird dieses Video Essay sehr genie\u00dfen und dabei m\u00f6glicherweise neue Einsichten gewinnen. Erstaunlich, da\u00df ich es bislang \u00fcbersehen habe. Falls \u00fcberhaupt m\u00f6glich, f\u00fchle ich nun eine noch innigere geistige Verbundenheit zu Dave und seiner kulturell wertvollen Performance Art.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Erw\u00e4hnungen meinerseits noch.<br>Zum einen wurde mir dieses Mal die \u00fcbergeordnete Eingebundenheit des dramatischen Mittelteils im ersten Satz noch klarer. Inwiefern er uns einen Vorgeschmack, eine Vorahnung gibt, der unweigerlich heranziehenden D\u00fcsternis.<br>Zweitens m\u00f6chte ich mit Nachdruck auf einen der absoluten H\u00f6hepunkte hinweisen, wenn im letzten Satz die Spannung sich bis etwa Minute 10:00 immer mehr steigert, die Dramatik ein letztes Mal unertr\u00e4glich zu werden droht &#8211; und kulminativ sich l\u00f6st in einer gewaltigen orchestralen Supernova.<\/p>\n\n\n\n<p>***************************************************************************<br>************************************************************<br>**********************************************<br><\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend noch zwei weitere externe Stimmen.<br>W\u00e4hrend das Gros des bisherigen Textes eher f\u00fcr Fans gedacht sein d\u00fcrfte, hier noch ein allgemeinerer und grundlegenderer Blick auf das Thema.<br>Grandiose und informative Video-Essays, sehr gut geeignet zur Heranf\u00fchrung an und Einstimmung auf den Komponisten und sein Werk.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"The Rawness Factor: Why Shostakovich Speaks to Young Musicians\" width=\"840\" height=\"473\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/d8I2xTsY2yo?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>&amp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Why Shostakovich Was One Of The GREATEST Composer Of ALL Time\" width=\"840\" height=\"473\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/DfT03fiuw70?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><em>&#8211; Heiko &#8211; 03\/2026<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Falls ihr mich bei RATE YOUR MUSIC besuchen m\u00f6chtet:<br><a href=\"https:\/\/rateyourmusic.com\/~Alphawellenreiter\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/rateyourmusic.com\/~Alphawellenreiter<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsche Wikipedia offeriert eine fantastische Kurzbeschreibung der Symphonie.Dieses kurze Essay offenbart bereits mehr, als man an programmatischem und biographischem Hintergrund, wie auch technisch-musikalischem Verst\u00e4ndnis mitbringen muss.Die Musik an sich vermittelt dem H\u00f6renden alles, was er oder sie wissen muss. 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