{"id":702,"date":"2016-03-20T18:55:12","date_gmt":"2016-03-20T17:55:12","guid":{"rendered":"http:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/?p=702"},"modified":"2024-02-22T18:53:48","modified_gmt":"2024-02-22T17:53:48","slug":"was-macht-eigentlich-matthias-herr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/was-macht-eigentlich-matthias-herr\/","title":{"rendered":"WAS MACHT EIGENTLICH&#8230; Matthias Herr?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_716\" aria-describedby=\"caption-attachment-716\" style=\"width: 352px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-716 size-full\" title=\"Matthias Herr und Chuck Schuldiner von DEATH, Berlin, Oktober 1991\" src=\"http:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/matthias_herr_chuck_schuldiner.jpg\" alt=\"Matthias Herr und Chuck Schuldiner von DEATH, Berlin, Oktober 1991\" width=\"352\" height=\"240\" data-popupalt-original-title=\"null\" srcset=\"https:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/matthias_herr_chuck_schuldiner.jpg 352w, https:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/matthias_herr_chuck_schuldiner-300x205.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 352px) 100vw, 352px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-716\" class=\"wp-caption-text\"><i>Matthias Herr und Chuck Schuldiner von DEATH, Berlin, Oktober 1991<br \/>https:\/\/youtu.be\/u3DdQ0bb-rg<\/i><\/figcaption><\/figure>\n<p>Wer sich in den 80ern bis in die sp\u00e4ten 90er-Jahre \u00fcber Heavy Metal informieren wollte, musste zum ROCK HARD (alles andere aus dem kommerziellen Print-Sektor zu diesem Thema konnte man eigentlich vergessen) greifen oder sich in den sehr lebhaften Fanzine-Untergrund begeben. In den \u00fcblichen Rock-Lexika fand man allenfalls AC\/DC oder KISS, vielleicht noch einen Eintrag zu IRON MAIDEN und JUDAS PRIEST oder sp\u00e4ter zu METALLICA, oft geschrieben mit dem Unterton, dass dies ja keine richtige Rock-Musik sei, sondern nur laut und ordin\u00e4r. CANDLEMASS, FATES WARNING oder OVERKILL suchte man hier nat\u00fcrlich vergeblich.<\/p>\n<p>Im Juni\/Juli 1989 ver\u00f6ffentlichte Matthias Herr aus Berlin-Kreuzberg den ersten Band seines &#8222;Heavy Metal Lexikons&#8220; im Eigenverlag. Schwarzwei\u00df-Fotos, Schreibmaschinen-Typographie und Fachkompetenz gepaart mit furchtloser Subjektivit\u00e4t waren Kennzeichen dieses Werks, das zu dieser Zeit im deutschen Sprachraum einzigartig war. Im September 1990, in Berlin war die Mauer gefallen, legte Matthias Band 2 in etwas professionellerem Layout nach , der auch eine Musikhistorie, Begriffserkl\u00e4rungen und Fanzine-Vorstellungen (u. a. das GIANT&#8217;S LORE und das MORTAL SIN) enthielt. Die B\u00fccher verkauften sich gut und ein Jahr sp\u00e4ter folgte Band 3, im Anhang eine &#8222;Bunte Liste des Heavy Metal&#8220;, ein Szene-\u00dcberblick und ein Artikel \u00fcber das ROCK HARD, welcher in den folgenden Jahren das gespannte Verh\u00e4ltnis zwischen Matthias und der Redaktion des RH bestimmen sollte. Bis zum vierten Band (mit einer lobenden Erw\u00e4hnung des NONKONFORM im Fanzine-Teil!) sollte etwas l\u00e4ngere Zeit vergehen, er kam im April 1994 in die L\u00e4den und Mailorders, jedoch hatte Matthias dazwischen den ersten Band komplett \u00fcberarbeitet und im M\u00e4rz 1993 ver\u00f6ffentlicht. Zwanzig Jahre sind es bald her, dass der f\u00fcnfte und letzte Band der Reihe erschien. Im Oktober 1996 war das, und er hatte, wie die Vorg\u00e4nger, etwa 200 Seiten Umfang.<\/p>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-702 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/HM-Lexikon1_1klein.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"100\" height=\"135\" src=\"https:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/HM-Lexikon1_1klein-100x135.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/HM-Lexikon1_2klein.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"100\" height=\"135\" src=\"https:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/HM-Lexikon1_2klein-100x135.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/HM-Lexikon2_klein.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"100\" height=\"135\" src=\"https:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/HM-Lexikon2_klein-100x135.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/HM-Lexikon3_klein.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"100\" height=\"135\" src=\"https:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/HM-Lexikon3_klein-100x135.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/HM-Lexikon4_klein.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"100\" height=\"135\" src=\"https:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/HM-Lexikon4_klein-100x135.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/HM-Lexikon5_klein.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"100\" height=\"135\" src=\"https:\/\/zine-with-no-name.de\/zwnnblog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/HM-Lexikon5_klein-100x135.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p>Matthias Herr hatte sich in seinen Lexika nicht nur auf Heavy Metal (mit seinen damals noch etwa \u00fcbersichtlicheren Subgenres) beschr\u00e4nkt, sondern stellte auch relevante Bands des klassischen Rock, aus Punk und Hardcore vor und erweiterte damit das musikalische Spektrum vieler Fans. Es gab in seinen Lexika Bands, deren Werke Matthias gleich neben die vier Evangelien stellte &#8211; DEATH geh\u00f6rten dazu &#8211; gleicherma\u00dfen r\u00e4umte er K\u00fcnstlern oder &#8211;\u00a0 aus seiner Sicht &#8211; &#8222;K\u00fcnstlern&#8220;, die er partout nicht leiden konnte wie WARLOCK\/DORO, die gleiche Seitenzahl ein, um dort gen\u00fcsslich sein Missfallen auszudr\u00fccken (<em>&#8222;Sie wird dieses Kapitel gut \u00fcberstehen und \u00fcberleben, da bin ich sicher&#8220;<\/em>).<br \/>\nDass Matthias Herr Mitte der 90er Jahre die Radio-Sendung &#8222;Tendenz Hard bis Heavy&#8220; bei MDR Sputnik in Nachfolge von Matthias Hopke moderierte, ist nicht endg\u00fcltig belegt.<br \/>\n<strong>Update Februar 2024:<\/strong> Unser Leser Johannes hat uns Aufnahmen von Moderationen von Matthias bei &#8222;Tendenz Hard bis Heavy&#8220; aus dem Sommer 1996 geschickt, die man <a href=\"https:\/\/zine-with-no-name.de\/matthias-herr-clip.mp3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HIER <\/a>anh\u00f6ren kann.<br \/>\nDie 600seitige &#8222;Black Metal Bible&#8220; von 1998 war das letzte journalistische Erzeugnis, sein subjektiver Stil brachte viele an die Grenzen ihrer Toleranz, keines der &#8222;Heavy Metal Lexika&#8220; war so umstritten.<br \/>\nDie B\u00e4nde sind heute noch gebraucht erh\u00e4ltlich, man sollte aber damit rechnen,\u00a0 die damaligen 24,80 heute\u00a0 in Euro ausgeben zu m\u00fcssen und daf\u00fcr ein nicht mehr ganz frisches Exemplar zu bekommen.<\/p>\n<p>Man wei\u00df nicht viel dar\u00fcber, was Matthias Herr in den einundrei\u00dfig Jahren vor dem ersten Band des &#8222;Heavy Metal Lexikons&#8220; gemacht hat, noch weniger wei\u00df man, was nach der &#8222;Black Metal Bible&#8220; geschah; ein zweiter Teil war angek\u00fcndigt worden, erschien aber nie. Hatte er nach den heftigen Reaktionen auf sein letztes Werk die Lust verloren, weitere B\u00fccher zu ver\u00f6ffentlichen, hatte er genug\u00a0 von <em>&#8222;zweifelhaften und dubiosen Entwicklungen in einer Branche, in der es scheinbar wenig Gerechtigkeit gibt, Trends kreiert, Gruppen hochgejubelt werden, um sie genauso schnell wieder fallenzulassen&#8220;<\/em> (Backcover-Text von Band 5)? In den Internetforen wird bis heute dar\u00fcber spekuliert, wie jemand so vollst\u00e4ndig von der Bildfl\u00e4che verschwinden konnte. Es gab wilde Ger\u00fcchte, die teils von den Moderatoren gel\u00f6scht wurden.<\/p>\n<p>Im April 2003 hatte ich vorsichtig per Brief bei Matthias angefragt, ob er bereit w\u00e4re, mit uns ein schriftliches Interview zu f\u00fchren, und wenige Wochen sp\u00e4ter schrieb Matthias auf der R\u00fcckseite einer Faltanleitung der IKEA-Zeitungssammelbox &#8222;Flyt&#8220; zur\u00fcck, dass er gern f\u00fcr ein Interview zur Verf\u00fcgung stehe und wir ihm einfach die Fragen schicken sollten. Mit dieser Antwort hatten wir gar nicht gerechnet, und so dauerte es etwas, bis wir ihm im Juli einundzwanzig Fragen zu den Heavy-Metal-Lexika, seinen Pl\u00e4nen und seinen heutigen Ansichten zur Musik, Kunst and the everflow zusammen mit einer CD mit den Seiten des &#8222;zine with no name&#8220; nach Berlin in die Hannemannstr. 1 schickten. Es kam keine Antwort. Im Oktober fragte ich per Brief nach &#8211; keine Reaktion. Damit war&#8217;s das erstmal f\u00fcr uns. Ich war nicht ver\u00e4rgert, es kann wichtigere Dinge im Leben geben, als Interviewfragen per Brief zu beantworten, und ich kannte die Lebensumst\u00e4nde von Matthias nicht.<br \/>\nTrotzdem probierte ich es drei Jahre sp\u00e4ter, im Juni 2006, noch einmal unter der bekannten Adresse. Dieser Brief kam als unzustellbar zur\u00fcck; irgendwann in der Zwischenzeit musste Matthias umgezogen sein.<\/p>\n<p>Zehn Jahre sind seit seitdem vergangen, immer noch frage ich bei Treffen mit alten Heavy-Metal-Fans oder Leuten aus der damaligen Fanzine-Szene, ob sie etwas Neues von Matthias Herr wissen. Bedauerndes Kopfsch\u00fctteln.<br \/>\nSitzt er also in einer Holzh\u00fctte auf der Mecklenburgischen Seenplatte und schreibt an Band 10 seines &#8222;Heavy Metal Lexikons&#8220;, auf den Tag wartend, an dem die Zeit reif f\u00fcr die Nachfolger seiner einzigartigen B\u00fccher ist?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Egal, was du heute machst, Matthias: Wenn du dich zu dem \u00e4u\u00dfern willst, was die letzten achtzehn Jahre passiert ist, schreib uns! Wir werden dein Statement hier ver\u00f6ffentlichen. Verwende unsere Postadresse im <a href=\"http:\/\/www.zine-with-no-name.de\/impressum.html\">Impressum<\/a>, und schreibe bitte zumindest einen Teil mit der Hand, damit wir einigerma\u00dfen sicher sein k\u00f6nnen, dass der Brief nicht gef\u00e4lscht ist. Vielleicht erinnerst du dich auch noch daran, welche LP du mir vor ca. 25 Jahren auf Kassette \u00fcberspielt hast ;-).<\/strong><br \/>\n<strong>Es gibt immer noch viele Fans deiner B\u00fccher!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>&#8211; Martin &#8211; 03\/2016<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Update 26.05.2016:<\/strong> Matthias Herr lebt! Auf unsere schriftliche Interview-Anfrage Ende M\u00e4rz\u00a0 hat er jedoch bis heute nicht geantwortet. Wir respektieren das.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sich in den 80ern bis in die sp\u00e4ten 90er-Jahre \u00fcber Heavy Metal informieren wollte, musste zum ROCK HARD (alles andere aus dem kommerziellen Print-Sektor zu diesem Thema konnte man eigentlich vergessen) greifen oder sich in den sehr lebhaften Fanzine-Untergrund begeben. 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