Apr 062018
 

Das neue Album von Turbonegro ist nicht auf ungeteilte Begeisterung gestoßen, aber das läuft ja schon so seit dem letzten Sängerwechsel (Goodbye Hank, Hello Tony). Auch musikalisch fährt die Band auf „RockNRoll Machine“ nicht mehr auf der Schiene der Neunziger-Platten, das Wilde und Ungestüme ist kontrollierter Offensive gewichen (würde zumindest Otto Rehhagel sagen). Bereits das Bandlogo im Eighties-Scorpions-Style zeigt, wohin die Reise geht: teilweise ziemlich präsente Keyboards, die Gitarren deshalb aber nicht zum Schattendasein verdammt. Für die Fans der alten Schule dürfte trotzdem phasenweise zu viel Synthie-Kleister an Bord sein, obwohl die erste Viertelstunde durchaus guten Hardrock zu bieten hat (Anspieltipp: „Hurry up & die“). „Skinhead Rock & Roll“ oder die „John Carpenter Powder Ballad“ wecken keine uneingeschränkt positiven Erinnerungen an die Achtziger – von diesen Keyboards kriegt man später vermutlich mal Karies. Die Texte sind gewohnt derb-humorvoll und auch eine „Special Education“ im Turbonegro-Stil ist mit Sicherheit nicht jugendfrei.

 

LONG DISTANCE CALLING sind im ZWNN letztmalig im Rahmen der Herbstmusik aufgetaucht. Mit ihrem neuen Album „Boundless“ (jetzt wieder rein instrumental) hat die Band gut abgeräumt, die Kritiken waren größtenteils hervorragend. Obwohl das Artwork zunächst an nebelverhangene Herbsttage denken lässt, funktioniert „Boundless“ auch zu anderen Gelegenheiten. Die Kompositionen kommen gut auf den Punkt, sind raumgreifend, ohne aber ins Diffuse abzudriften. Für manche Kritiker ist das zwar zu wenig Metal und zu sehr „Studentenmusik“, aber das hat die Band nicht zu stören, zumal Besserwisser und Dauernörgler ja immer etwas zu bemängeln haben (und wenn es bloß „Hipster-Bärte“ sind).

 

Der Nachtfalter fliegt wieder: Vielleicht starten BLACK MOTH ja diesmal größer durch, was eigentlich schon beim Vorgänger „Condemned to Hope“ möglich gewesen wäre. Verglichen mit dem letzten Album sind die Engländer auf „Anatomic Venus“ etwas zurückhaltender und ernsthafter geworden, was sich nach mehreren Hördurchgängen nicht als Nachteil entpuppt. Die neue Scheibe ist nur phasenweise eben nicht so eingängig wie es noch auf ihrem 2014er Longplayer der Fall war, aber trotz knackigerer Einzelhits auf „Condemned…“ haben BLACK MOTH nicht an Qualität verloren.

 

Nachdem uns die Existenz eines neuen EA80-Albums („Definitiv: Ja!“ vom Oktober 2017) bis vor Kurzem doch glatt verborgen geblieben ist, sollen wenigstens DIE SKEPTIKER zeitnah Erwähnung finden. Seit ihrem Debütalbum waren sie für mich zwar unregelmäßige, dennoch stets vorhandene musikalische Wegbegleiter. Besonders markant ist die Band durch den theatralischen, unverwechselbaren Gesang von Eugen Balanskat – daran hat sich auch auf „Kein Weg zu weit“ nichts geändert. Im Jahr 2018 spielen DIE SKEPTIKER immer noch ihren melancholischen, nachdenklichen Punkrock mit politischem Bewusstsein und sind dabei so eigenwillig geblieben wie die eingangs erwähnten EA80.

 

Last but not least haben auch die Kalifornier FU MANCHU ein neues Album veröffentlicht, das sich „Clone of the Universe“ nennt und mit Alex Lifeson von Rush einen prominenten Gast zu bieten hat. Die Platte besteht, wenn man so will, aus zwei Variationen des Band-Sounds: Seite A enthält kurze, schnell auf den Punkt kommende Rocksongs mit durchschnittlich drei Minuten Länge, während „Il Mostro atomico“ auf Seite B (hier ist Lifeson zu hören) einer ausgedehnten Jam-Session gleicht und mit satten 18 Minuten durchs Ziel geht (auf CD funktioniert das A/B-Konzept natürlich weniger, klar). Beides tönt in fetter Produktion sehr überzeugend und zeigt keine Schwachstellen, sodass man das Album jedem empfehlen kann, der generell mit Stoner Rock von Kyuss bis neuere Kinski etwas anzufangen weiß.


– Stefan – 04/2018