Martin (zwnn)

Jun 052020
 

31. Jahrestag der blutigen Niederschlagung der chinesischen Demokratiebewegung auf dem Tiananmen-Platz in Peking: Als ich heute das Foto des “Tank Man” in den Nachrichten sah, bekam ich wieder leichte Gänsehaut. Ein Mann mit zwei Einkaufstüten stellt sich den Panzern entgegen, steigt sogar auf den Panzer und zwingt den Fahrer so zum Öffnen der Luke.
Das Foto wird ikonisch, der “Tank Man” verschwindet im Nebel der Geschichte. Bis heute weiß niemand, was aus ihm wurde, ob er untergetaucht ist, ausgewandert oder hingerichtet wurde.

Und dann fiel mir ein, dass Anthrax ihm auf dem gut ein Jahr später erschienen Album “Persistence of Time” ein Denkmal gesetzt haben:

Nicht das schlechteste Album, das Anthrax gemacht haben.

Martin – 06/2020

Jun 052020
 

Mike Seifert ist tot! Irgendwann Ende Januar hat er sich nach längerer Abstinenz nunmehr endgültig aus der “Szene” verabschiedet. So ist es zumindest dem Nachruf von Marco Magin auf der Break Out-Website zu entnehmen.

Auch wenn es die letzten Jahre sehr still um ihn geworden war – es plagten ihn inzwischen wohl diverse nicht nur körperliche Leiden – so werde ich ihn doch immer irgendwie als eine Art Vorbild in Erinnerung behalten. Unter all den vielen Rock-Schreiberlingen war es nicht zuletzt er, der mich dazu gebracht hat, über the one and only Lieblingsmucke zu schreiben. Und zwar nicht nur enthusiastisch & leidenschaftlich, sondern auch – und dies vor allem – augenzwinkernd-ironisch bis kritisch.

Für mich unvergessen sind und bleiben Mikes Analysen & Auslassungen zu Manowar (naturgemäß zwiespältig: Image/Texte und Musik schieden vor allem damals – noch zu Ross the Boss-Zeiten – schon oft genug die Geister!), sein legendärer Pennywise-Aprilscherz in der Break Out-Ausgabe 4/1989 (ja, auch ich bin damals mit fliegenden Fahnen darauf hereingefallen und habe händeringend versucht, diese sagenhafte Platte aufzutreiben…) sowie all seine wohldurchdachten (und – formulierten), differenzierten und pointierten Artikel. Diese konnten durchaus auch einmal als “spitzfindige Banalitäten” daherkommen, atmeten aber auch dann immer noch den Hauch schreiberischer Genialität, die ihn eben auszeichnete. Neben dem Break Out war Mike noch für das Rock Hard sowie für das Rocks aktiv und dürfte somit den meisten Rockmusikfans in irgendeiner Weise einmal untergekommen sein.

Rest in peace, Mike! Beziehungsweise requiescas in pace (wäre wohl eher deine Formulierung gewesen…) – du wirst “uns” sehr fehlen. Ob wir dich nun bewußt wahrgenommen haben oder eher am Rande. But the quality standards you set will never die!

Klaus – 06/2020

Nov 162019
 

Mit Bestürzung haben wir erfahren, dass Eddi Ambrozi, Herausgeber des “Giants Lore”-Fanzines, am 31. Oktober 2019 im Alter von 52 Jahren gestorben ist.
Drei Ausgaben des “Giants Lore” hatte er Ende der 80er Jahre zusammen mit Beate Humburger im liebevollen Schreibmaschinen-Klebe-Layout erschaffen. Die letzten zwei habe noch in Klarsichthüllen im Regal, und immer, wenn ich sie mal wieder durchblättere, bekomme ich eine Ahnung des Gefühls, hier auf etwas ganz Eigenes gestoßen zu sein, das mich beim ersten Lesen erfasste, als ich gerade den Heavy Metal zu entdecken begann.
Doch das “Giants Lore” war nicht nur Metal der undergroundigen Sorte, es wurden auch Filme, Bücher und Comics auf eine sehr persönliche Weise besprochen. Ja, manchmal haben mir die Texte, die er geschrieben hat, besser als die Bands, um die es ging, gefallen ;-).
Eddi und Beate hatten ihre ganz eigene Art des Metal-Undergrounds gezaubert und damit das “Nonkonform” schwer beeinflußt , das nach dem Ende des “Giants Lore” entstand (und zu dem Eddi auch einzelne Texte beisteuerte), welches schließlich in das “zine with no name” überging. Die ganze Geschichte dazu könnt ihr hier lesen.

Persönlich habe ich Eddi nie getroffen, und auch bei Heiko und anderen Leuten aus der damaligen Fanzine-Szene war der Kontakt mit Eddi im Laufe der Jahre eingeschlafen.

Sein Einfluss auf viele, die damals nach dem Lesen des “Giants Lore” selbst zu Schreibmaschine, Word 2.0, Klebestift und Schere griffen, ist nur unzureichend in Worte zu fassen.

Dafür danken wir dir, wohin du auch gegangen sein magst…
.
… into the Void…
… to Arcana…
… into the Everflow..
.

– Martin –

Die drei Ausgaben des “Giants Lore” könnt ihr im Netz finden:
Giants Lore #1
Giants Lore #2
Giants Lore #3

Eddis Versuch einer Annäherung an “Into The Everflow” von Psychotic Waltz aus dem Nonkonform #2 (geschrieben 1992 oder 1993).

Mrz 032019
 

[Link zum Artikel]

EA80 kenne ich etwa seit Ende der 90er Jahre, zusammen mit Stefan klaubte ich mir das bis dahin erschienene Schaffen der Band zusammen, verfolgte ihren Weg aus dem Augenwinkel und schrieb auch mal hier was zu ihnen. Sie live zu sehen, hatte ich bisher nie geschafft, denn sie verirren sich nicht oft nach Bayern, und auch von diesem Konzert hatte ich eher zufällig gelesen.

Apr 062018
 

Das neue Album von Turbonegro ist nicht auf ungeteilte Begeisterung gestoßen, aber das läuft ja schon so seit dem letzten Sängerwechsel (Goodbye Hank, Hello Tony). Auch musikalisch fährt die Band auf „RockNRoll Machine“ nicht mehr auf der Schiene der Neunziger-Platten, das Wilde und Ungestüme ist kontrollierter Offensive gewichen (würde zumindest Otto Rehhagel sagen). Bereits das Bandlogo im Eighties-Scorpions-Style zeigt, wohin die Reise geht: teilweise ziemlich präsente Keyboards, die Gitarren deshalb aber nicht zum Schattendasein verdammt. Für die Fans der alten Schule dürfte trotzdem phasenweise zu viel Synthie-Kleister an Bord sein, obwohl die erste Viertelstunde durchaus guten Hardrock zu bieten hat (Anspieltipp: „Hurry up & die“). „Skinhead Rock & Roll“ oder die „John Carpenter Powder Ballad“ wecken keine uneingeschränkt positiven Erinnerungen an die Achtziger – von diesen Keyboards kriegt man später vermutlich mal Karies. Die Texte sind gewohnt derb-humorvoll und auch eine „Special Education“ im Turbonegro-Stil ist mit Sicherheit nicht jugendfrei.

 

LONG DISTANCE CALLING sind im ZWNN letztmalig im Rahmen der Herbstmusik aufgetaucht. Mit ihrem neuen Album „Boundless“ (jetzt wieder rein instrumental) hat die Band gut abgeräumt, die Kritiken waren größtenteils hervorragend. Obwohl das Artwork zunächst an nebelverhangene Herbsttage denken lässt, funktioniert „Boundless“ auch zu anderen Gelegenheiten. Die Kompositionen kommen gut auf den Punkt, sind raumgreifend, ohne aber ins Diffuse abzudriften. Für manche Kritiker ist das zwar zu wenig Metal und zu sehr „Studentenmusik“, aber das hat die Band nicht zu stören, zumal Besserwisser und Dauernörgler ja immer etwas zu bemängeln haben (und wenn es bloß „Hipster-Bärte“ sind).

 

Der Nachtfalter fliegt wieder: Vielleicht starten BLACK MOTH ja diesmal größer durch, was eigentlich schon beim Vorgänger „Condemned to Hope“ möglich gewesen wäre. Verglichen mit dem letzten Album sind die Engländer auf „Anatomic Venus“ etwas zurückhaltender und ernsthafter geworden, was sich nach mehreren Hördurchgängen nicht als Nachteil entpuppt. Die neue Scheibe ist nur phasenweise eben nicht so eingängig wie es noch auf ihrem 2014er Longplayer der Fall war, aber trotz knackigerer Einzelhits auf „Condemned…“ haben BLACK MOTH nicht an Qualität verloren.

 

Nachdem uns die Existenz eines neuen EA80-Albums („Definitiv: Ja!“ vom Oktober 2017) bis vor Kurzem doch glatt verborgen geblieben ist, sollen wenigstens DIE SKEPTIKER zeitnah Erwähnung finden. Seit ihrem Debütalbum waren sie für mich zwar unregelmäßige, dennoch stets vorhandene musikalische Wegbegleiter. Besonders markant ist die Band durch den theatralischen, unverwechselbaren Gesang von Eugen Balanskat – daran hat sich auch auf „Kein Weg zu weit“ nichts geändert. Im Jahr 2018 spielen DIE SKEPTIKER immer noch ihren melancholischen, nachdenklichen Punkrock mit politischem Bewusstsein und sind dabei so eigenwillig geblieben wie die eingangs erwähnten EA80.

 

Last but not least haben auch die Kalifornier FU MANCHU ein neues Album veröffentlicht, das sich „Clone of the Universe“ nennt und mit Alex Lifeson von Rush einen prominenten Gast zu bieten hat. Die Platte besteht, wenn man so will, aus zwei Variationen des Band-Sounds: Seite A enthält kurze, schnell auf den Punkt kommende Rocksongs mit durchschnittlich drei Minuten Länge, während „Il Mostro atomico“ auf Seite B (hier ist Lifeson zu hören) einer ausgedehnten Jam-Session gleicht und mit satten 18 Minuten durchs Ziel geht (auf CD funktioniert das A/B-Konzept natürlich weniger, klar). Beides tönt in fetter Produktion sehr überzeugend und zeigt keine Schwachstellen, sodass man das Album jedem empfehlen kann, der generell mit Stoner Rock von Kyuss bis neuere Kinski etwas anzufangen weiß.


– Stefan – 04/2018

Feb 122018
 

[Link zum Artikel]

Bluessommer erzählt die Geschichte eines Rockmusik-verrückten Teenagers, der sich in der DDR der 80er Jahre durchschlägt und davon träumt Musiker zu sein und in einer erfolgreichen Band zu spielen. Es geht um Liebe, Freiheit, Sex und Suff.

Mike verlässt seine erste Band, will raus aus der Provinz. Er sucht sein Glück in der Hauptstadt Berlin und studiert Musik. Den letzten Sommerurlaub vor seinem Studium feiert er auf Rockfestivals ab, will mit Floyd und Porni bis an die Ostsee trampen. Gierend nach Freiheit und selbstbestimmten Leben treibt es Mike schließlich bis nach Budapest.

– Falko – 02/2018

Jan 292018
 

[Link zum Artikel: Teil 1Teil 2]

“Waren die Neunziger wirklich so schlimm?” titeln die Kollegen vom Deaf Forever auf dem Cover ihrer momentan noch am Kiosk erhältlichen aktuellen Ausgabe (bis zum 14. Februar, danach natürlich in deren Shop nachbestellbar). Echtmetaller werden die oben genannte Frage ohne allzu lange Bedenkzeit mit einem lautstarken “Ja!” beantworten, denn die Neunziger bestanden ja ausschließlich aus dem ganz schlimmen Grunge, der bekanntlich ganz allein den Metal ermordet hat, und dem noch schlimmeren Nu Metal à la Korn und Weichkeks (Limp Bizkit).

Lässt man das Fallbeil nicht ganz so schnell nach unten sausen, fallen einem aber doch diverse Alben ein, die vielleicht gar nicht so schlecht waren. In ihrem allseits bekannten “Listenwahn” stellten die DF-Redakteure eine Top-200er-Auswahl und eine zweite Garnitur mit weiteren zumindest erwähnenswerten Scheiben der Neunziger zusammen. Etliches war in sich stimmig, aber es gab auch Ausfälle und Versäumnisse, die dem “Bayernkurier des Heavy Metal” (als Verfechter der reinen metallischen Lehre) eigentlich nicht hätten passieren dürfen.

Da springt man doch gern in die Bresche, rückt unterbewertete Platten ins rechte Licht und stellt außerdem Werke vor, die im DF gleich komplett unberücksichtigt blieben. Einen Anspruch auf “Vollständigkeit” (wäre ein Irrsinn bei einem ganzen Jahrzehnt) gibt’s natürlich auch bei uns nicht. Erboste Schmähbriefe oder grenzenlose Huldigungen bitte an die im Impressum aufgeführten Mailadressen und nun viel Spaß beim Lesen!

– Stefan – 01/2018

Jan 152018
 

Ende des vergangenen Jahres haben Relapse Records das erste Album von THE OBSESSED wieder neu aufgelegt. Eigentlich sollte die Scheibe in den Achtzigern bei Metal Blade erscheinen, doch es dauerte bis 1990, als sich Hellhound Records der Sache annahmen. Die Doppel-CD enthält das Album, das 1984er Demo „Concrete Cancer“ sowie zehn Livestücke von 1985. Kostensparender (wenn’s kein Vinyl sein muss) fährt man mit der Doppel-CD, es gibt das Album und „Concrete Cancer“ aber auch jeweils separat auf Platte. Garniert wird der ganze Spaß mit Liner Notes von Scott „Wino“ Weinrich und alten Bandfotos (die Frisur von Wino ist echt kultig, wobei wir damals sicher nicht besser aussahen…).

 

Neben New Model Army sind TRUST eine der am häufigsten auftauchenden Bands im ZWNN und es gibt sie immer noch! Frisch auf dem Markt ist der Mitschnitt vom letztjährigen Hellfest, der sich eines recht guten Vertriebs erfreut – immerhin waren sogar beim örtlichen Media Markt einige Exemplare zu finden. Das 2-Disc-Set enthält das Konzert auf Audio-CD und als DVD, wobei die DVD als Bonus noch einen gemeinsamen Auftritt von TRUST und ANTHRAX in Straßburg spendiert bekam (gespielt wurde dabei, man errät es leicht, natürlich „Antisocial“). Sehr viel neueren Datums ist der Song „L’Archange“, hier in einem Konzertmitschnitt von der letztjährigen Sommertour durch Frankreich.

 

Wer Justin Broadrick (Godflesh, Jesu) kennt, dürfte auch mit seinen musikalischen Aktivitäten vertraut sein, die weit über Gitarrenmusik hinausgehen. Im vergangenen Herbst erschien sein Remix eines Stücks der texanischen Synthie-Band SURVIVE auf deren letzter 12“-EP. Etwas ruhiger und sphärischer sind die ursprünglichen Versionen der Tracks, nachzuhören auf einem 2016 erschienenen SURVIVE-Longplayer, der sich auch sehr gut als Filmscore machen würde. Antesten lohnt sich!

 

Ausgewiesene Experten im schwedischen Todesmetall wissen natürlich mit der Band Nirvana 2002 etwas anzufangen, auch wenn diese zu ihren aktiven Zeiten nicht über einige Demos und einen Samplerbeitrag hinauskam (später als Compilation wiederveröffentlicht). Als Nachfolgeband kann man UNDER THE CHURCH ansehen, schließlich sind dort zwei Drittel von Nirvana 2002 erneut versammelt. Der Sound ist wenig überraschend Death Metal in typisch schwedischem Sound: gerne nachgeahmt, aber in dieser Form halt doch von den einheimischen Bands am besten präsentiert. Ende 2017 erschien das zweite Album mit dem Titel „Supernatural Punishment“, daneben gibt’s außerdem diverse Singles und ein Livetape.

 

Und wo wir gerade in Schweden sind: Die Gothic-Doomer von STILLBORN haben nach einem satten Vierteljahrhundert doch tatsächlich eine neue Platte veröffentlicht. Das letzte Album stammt von 1992, eine Single folgte mit großem Abstand im Jahr 2003. Die neue Scheibe „Nocturnals“ und speziell das unten verlinkte Video mögen zu Anfang vielleicht etwas schrullig wirken, aber daraus entwickelt sich schnell ein ganz eigener Charme. Im Soundcheck des vorletzten Deaf Forever landete die Platte auf dem fünften Platz – von unten aus betrachtet. Wie damals im Metal Hammer, als man bei bestimmten Bands und Genres aus gutem Grund lieber die letzten Platzierungen konsultierte… Wer „Nocturnals“ komplett probehören möchte, kann das hier tun:

– Stefan –  01/2018

Sep 162017
 

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Der Vorgänger “The Church Within” (1994) war bis dato das letzte Lebenszeichen von THE OBSESSED, ihr bestes Album noch dazu, und wurde zum (heimlichen) Doom-Metal-Klassiker. Mastermind Wino war in der Zwischenzeit nicht untätig und spielte in Bands wie SAINT VITUS, SPIRIT CARAVAN, THE HIDDEN HAND, PLACE OF SKULLS oder PREMONITION 13. Die Rückkehr zur früheren Wirkungsstätte war dennoch etwas Besonderes, wobei es nach Winos Abschied bei SAINT VITUS auch bei THE OBSESSED einige personelle Turbulenzen gab: Die zwischenzeitlich vorhandene Position einer zweiten Gitarre ist bereits wieder Geschichte und auch der Bassist (auf “Sacred” noch zu hören) musste neu besetzt werden.

– Stefan – 09/2017

Jul 302017
 

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In den Achtzigern waren Noise Records aus Berlin eine der bekanntesten Schmieden für Schwermetall diverser Couleur: Zu Labelprogramm gehörten Kreator, Celtic Frost, Tankard, Coroner, Voivod, Helloween und Running Wild, später auch Gruppen wie Sabbat, Skyclad und Gamma Ray. Nicht wenige dieser Bands verbinden mit Noise eher zwiespältige Erinnerungen, speziell Tom G. “Warrior” Fischer (einst Hellhammer und Celtic Frost, heute Triptykon) lässt in der Rückschau kaum ein gutes Haar an dem Label.

– Stefan – 07/2017