Nov 162019
 

Mit Bestürzung haben wir erfahren, dass Eddi Ambrozi, Herausgeber des “Giants Lore”-Fanzines, am 31. Oktober 2019 im Alter von 52 Jahren gestorben ist.
Drei Ausgaben des “Giants Lore” hatte er Ende der 80er Jahre zusammen mit Beate Humburger im liebevollen Schreibmaschinen-Klebe-Layout erschaffen. Die letzten zwei habe noch in Klarsichthüllen im Regal, und immer, wenn ich sie mal wieder durchblättere, bekomme ich eine Ahnung des Gefühls, hier auf etwas ganz Eigenes gestoßen zu sein, das mich beim ersten Lesen erfasste, als ich gerade den Heavy Metal zu entdecken begann.
Doch das “Giants Lore” war nicht nur Metal der undergroundigen Sorte, es wurden auch Filme, Bücher und Comics auf eine sehr persönliche Weise besprochen. Ja, manchmal haben mir die Texte, die er geschrieben hat, besser als die Bands, um die es ging, gefallen ;-).
Eddi und Beate hatten ihre ganz eigene Art des Metal-Undergrounds gezaubert und damit das “Nonkonform” schwer beeinflußt , das nach dem Ende des “Giants Lore” entstand (und zu dem Eddi auch einzelne Texte beisteuerte), welches schließlich in das “zine with no name” überging. Die ganze Geschichte dazu könnt ihr hier lesen.

Persönlich habe ich Eddi nie getroffen, und auch bei Heiko und anderen Leuten aus der damaligen Fanzine-Szene war der Kontakt mit Eddi im Laufe der Jahre eingeschlafen.

Sein Einfluss auf viele, die damals nach dem Lesen des “Giants Lore” selbst zu Schreibmaschine, Word 2.0, Klebestift und Schere griffen, ist nur unzureichend in Worte zu fassen.

Dafür danken wir dir, wohin du auch gegangen sein magst…
.
… into the Void…
… to Arcana…
… into the Everflow..
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– Martin –

Die drei Ausgaben des “Giants Lore” könnt ihr im Netz finden:
Giants Lore #1
Giants Lore #2
Giants Lore #3

Eddis Versuch einer Annäherung an “Into The Everflow” von Psychotic Waltz aus dem Nonkonform #2 (geschrieben 1992 oder 1993).

Jul 302017
 

Trust im ehrwürdigen bestuhlten Amphitheater Theatre Des Champs in Carcassonne beginnen bei Tageslicht den Set souverän. Nacheinander betreten die Musiker spielend die Bühne und steigen vehement in den (unbekannten) den Opener “Archange” ein. Carcassonne singt begeistert die Zeilen”… ni dieu, ni maitre…” mit, bevor nahtlos “Marche ou Creve” folgt. Ein fulminates und entsprechend gefeiertes “Fais où on te dit faire” macht endgültig klar, dass es hier nicht nur die Greatest Hits Show gibt, sondern etwas für die Eingeweihten. Schließlich stammt letztgenannter Song vom umstrittenen Album 13 a la table. Die Band macht die ganzen 90 Minuten über einen extrem spielfreudigen, bissigen und inspirierten Eindruck. Genau das holt nach spätestens 20 Minuten auch den letzten Skeptiker in der ausverkauften Arena ab. Der neue jugendliche Drummer Chris Dupoy belebt und treibt die Rhythmussektion mit dem zurückgekehrten Virtuosen David Jacob am Bass nach vorne. Alsdann spuckt ihm Bernie regelmäßig Wasser auf den Kopf. Izo Diop an der Rhythmusgitarre spielt einen eher punkverhaften Stil, der aber in der Simplizität dem Tempo gut tut und den Kontrast zu Nono bildet. Bernie Bonvoisin, wie immer völlig unmetallisch gewandet mit Hawaiihemd und Sommerhut , hat so das Fundament seine links geprägten Lyrics entsprechend prägnant in Szene zu setzen. Und dann ist da natürlich der „Boss“ Nono, Norbert Krief, an der Leadgitarre. Er ist als einziger kleidungsstilistisch eindeutig als Rockstar erkennbar und zieht die volle Show des glitzernden Gitarrenhelden durch, der dabei aber immer sympathisch und lächelnd, song- und banddienlich spielt, sich aber niemals in Selbstdarstellung verliert. Die Band treibt sich durch einen Set mit Klassikern und vergessenen Perlen (“Surveille ton look”) und vier neuen unbekannten Songs. Diese haben stilistische Bandbreite, sind latent bis offen aggressiv und lassen folglich auf ein großartiges neues Werk hoffen. Am meisten Anklang fand (natürlich) der Boogie Song, einer der Sorte, auf den man bei AC/DC seit Bad Boy Boogie wartet. Frech dort zitiert und ins heutige Frankreich katapultiert, Chapeau! Als Setcloser ein wütend forderndes “L‘Elite”, bevor die obligatorische Zugabe “Antisocial” den Auftritt triumphal beendet. Auch bei letztgenannten Songs kommt nicht ein Sekundenbruchteil der Eindruck auf, dass es sich um eine bloße Reunion wegen des Geldes handelt. Hier haben die zwei Veteranen Bernie und Nono nochmal Blut geleckt und lassen sich mit drei weiteren hervorragenden Musikern nach vorne tragen. Übrigens hielt sich Bernie mit politischen Aussagen während des Auftritts zurück, schließlich wollten Europe ja dreißig Minuten später das Publikum zur selben Euphorie herausfordern. Allerdings war das Finale des Trustgigs hinsichtlich lautstarker Publikumsovationen über die inzwischen nächtliche Cité von Carcassonne nicht mehr zu toppen. Für einen Festivalauftritt vergebe ich 5 von 5 Sternen. Natürlich ist bei einem gemischten Publikum immer Luft nach oben. Deswegen geht es im November auch nochmal nach Paris, um Trust dort vor eigenem Publikum zu sehen.

 – Dirk – 07/2017

Jul 242017
 

Tausende von Lesern haben darauf gewartet, jetzt ist es soweit: Das ZWNN lüftet den Vorhang und gewährt Einblicke in den spannenden Redaktionsalltag. Immerhin seit 17 Jahren besteht dieses Online-Magazin nun schon bzw. sogar über 20, wenn man den Print-Vorläufer NONKONFORM mitrechnet. Aus dieser Zeit haben wir im Archiv ein atemberaubendes Dokument wiedergefunden:

So professionell wurde also bereits zu NONKONFORM-Zeiten gearbeitet, wie diese exklusive Preview auf einen BAD RELIGION-Artikel zeigt. Clever durchdachte Leserführung im Layout nach klar strukturiertem Konzept, verknüpft mit politisch brisanter Bildauswahl. Wie man sieht, blieb in der Planung nichts dem Zufall überlassen. Heute noch arbeiten auch namhafte Medienhäuser nach diesem Vorbild, was uns (bei aller gebotenen Bescheidenheit) im Rückblick doch ein wenig mit Stolz erfüllt.

Mehr als zwei Dekaden später sieht eine Redaktionskonferenz des ZWNN in etwa so aus:

Mit Hilfe harter Spirituosen im Biergarten unseres Vertrauens nehmen wir für gewöhnlich die hiesige Presselandschaft unter die Lupe und legen den Masterplan für kommende Artikel fest. Im Bild oben (festgehalten im September 2015) wird dies durch zwei Kastanien angedeutet, die dem kundigen Auge des Betrachters subtil vermitteln: Die alljährliche Herbstmusik-Strecke steht vor der Tür…

Aber es bleibt gelegentlich auch Zeit für etwas Schabernack: Vor den Toren unserer Stammkneipe bot sich eine Location an, die wie geschaffen wirkte für ein kleines Fotoshooting, bei dem wir ein Covermotiv von EA80 nachstellten. Falls wir irgendwann vielleicht sogar eine Band gründen sollten (Tendenz: eher unwahrscheinlich), wäre zumindest die Frage nach dem Coverdesign schon mal geklärt…

– Stefan –  07/2017