Jul 302017
 

Trust im ehrwürdigen bestuhlten Amphitheater Theatre Des Champs in Carcassonne beginnen bei Tageslicht den Set souverän. Nacheinander betreten die Musiker spielend die Bühne und steigen vehement in den (unbekannten) den Opener “Archange” ein. Carcassonne singt begeistert die Zeilen”… ni dieu, ni maitre…” mit, bevor nahtlos “Marche ou Creve” folgt. Ein fulminates und entsprechend gefeiertes “Fais où on te dit faire” macht endgültig klar, dass es hier nicht nur die Greatest Hits Show gibt, sondern etwas für die Eingeweihten. Schließlich stammt letztgenannter Song vom umstrittenen Album 13 a la table. Die Band macht die ganzen 90 Minuten über einen extrem spielfreudigen, bissigen und inspirierten Eindruck. Genau das holt nach spätestens 20 Minuten auch den letzten Skeptiker in der ausverkauften Arena ab. Der neue jugendliche Drummer Chris Dupoy belebt und treibt die Rhythmussektion mit dem zurückgekehrten Virtuosen David Jacob am Bass nach vorne. Alsdann spuckt ihm Bernie regelmäßig Wasser auf den Kopf. Izo Diop an der Rhythmusgitarre spielt einen eher punkverhaften Stil, der aber in der Simplizität dem Tempo gut tut und den Kontrast zu Nono bildet. Bernie Bonvoisin, wie immer völlig unmetallisch gewandet mit Hawaiihemd und Sommerhut , hat so das Fundament seine links geprägten Lyrics entsprechend prägnant in Szene zu setzen. Und dann ist da natürlich der „Boss“ Nono, Norbert Krief, an der Leadgitarre. Er ist als einziger kleidungsstilistisch eindeutig als Rockstar erkennbar und zieht die volle Show des glitzernden Gitarrenhelden durch, der dabei aber immer sympathisch und lächelnd, song- und banddienlich spielt, sich aber niemals in Selbstdarstellung verliert. Die Band treibt sich durch einen Set mit Klassikern und vergessenen Perlen (“Surveille ton look”) und vier neuen unbekannten Songs. Diese haben stilistische Bandbreite, sind latent bis offen aggressiv und lassen folglich auf ein großartiges neues Werk hoffen. Am meisten Anklang fand (natürlich) der Boogie Song, einer der Sorte, auf den man bei AC/DC seit Bad Boy Boogie wartet. Frech dort zitiert und ins heutige Frankreich katapultiert, Chapeau! Als Setcloser ein wütend forderndes “L‘Elite”, bevor die obligatorische Zugabe “Antisocial” den Auftritt triumphal beendet. Auch bei letztgenannten Songs kommt nicht ein Sekundenbruchteil der Eindruck auf, dass es sich um eine bloße Reunion wegen des Geldes handelt. Hier haben die zwei Veteranen Bernie und Nono nochmal Blut geleckt und lassen sich mit drei weiteren hervorragenden Musikern nach vorne tragen. Übrigens hielt sich Bernie mit politischen Aussagen während des Auftritts zurück, schließlich wollten Europe ja dreißig Minuten später das Publikum zur selben Euphorie herausfordern. Allerdings war das Finale des Trustgigs hinsichtlich lautstarker Publikumsovationen über die inzwischen nächtliche Cité von Carcassonne nicht mehr zu toppen. Für einen Festivalauftritt vergebe ich 5 von 5 Sternen. Natürlich ist bei einem gemischten Publikum immer Luft nach oben. Deswegen geht es im November auch nochmal nach Paris, um Trust dort vor eigenem Publikum zu sehen.

 – Dirk – 07/2017

Jul 032007
 

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TRUST, die französische Hard-Rock-Legende, sind auch nach ihrer Reunion 2006 (es ist ja nicht die erste…) in Deutschland immer noch relativ unbekannt, oder aber vielleicht gut 25 Jahre nach ihrer Glanzzeit schlicht vergessen. Das Rauschen im Blätterwald, bzw. das Flackern der Monitore, bewegt sich im Bereich des gerade mal Wahrnehmbaren. Unsere TRUST-History sollte da Abhilfe schaffen, und vielleicht erreichen wir auf diesem Wege alte und neue Fans der Band, die hier ihren Kommentar abgeben oder mit uns in Diskussion treten wollen.